Ärzte Zeitung online, 17.07.2017

Bürgerversicherung

PVS-Verband warnt vor "Salamitaktik"

Die Vereinheitlichung der Gebührenordnungen wäre ein Schritt in Richtung Bürgerversicherung, mahnen Kritiker.

STUTTGART. Die Einführung einer einheitlichen Gebührenordnung für die Privat- und die Kassenabrechnung wäre der erste Schritt hin zu einer Bürgerversicherung. Vor einer solchen "Salamitaktik" mit "kleinen Schritten zur großen Lösung" hat Stefan Tilgner, Geschäftsführer des PVS-Verbands, gewarnt. Tilgner sprach bei der Diskussionsveranstaltung "Quo vadis, privatärztliche Tätigkeit?", die vom PVS-Verband in den Räumen der PVS Akademie in Stuttgart durchgeführt wurde.

Die Vorstellung, eine Vereinheitlichung der Gebührenordnungssysteme Liefe darauf hinaus, dass am Ende alles auf Ebene der GOÄ abgerechnet würde, sei irrig, betonte Tilgner. Vielmehr werde das Ergebnis "eine Einheits-GOÄ zu EBM-Konditionen" sein. Unter dem Schlagwort "gleiches Geld für gleiche Leistung" lasse sich eine einheitliche Gebührenordnung leicht verkaufen, so Tilgner weiter. Das aber sei "gefährlicher Populismus".

Tilgner und auch Dr. Markus Stolaczyk, Leiter des GOÄ-Dezernats der BÄK, betonten den grundlegenden Unterschied zwischen der GOÄ als echter Gebührenordnung und dem EBM, dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab, der letztlich ein Instrument zur Mengensteuerung sei und keine echte Gebührenordnung.

Bei den Verhandlungen über die neue GOÄ gebe es "keine Sollbruchstellen mehr", sagte PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach, "die großen Brocken sind abgeräumt", so seine Einschätzung. Bis Jahresende, erinnerten Stolaczyk und Leienbach, wollen die Verhandlungspartner einen Vorschlag für die neue GOÄ vorlegen, der einer neuen Bundesregierung präsentiert werden kann. Ein Junktim hat der Deutsche Ärztetag allerdings gesetzt: Sollte sich in Koalitionsverhandlungen eine Tendenz in Richtung einheitliche Gebührenordnung ergeben, dann wird kein Vorschlag für eine neue Gebührenordnung vorgelegt. (ger)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »